Ein Ibuprofen gegen den Rücken, Paracetamol bei Kopfschmerzen oder Diclofenac für das schmerzende Knie: Frei verkäufliche Schmerzmittel versprechen schnelle Erleichterung. Und bei kurzfristiger, gezielter Einnahme erfüllen sie ihren Zweck.
Doch aus der gelegentlichen Tablette wird schnell eine feste Gewohnheit. Dann steigt offenbar auch das Risiko für anhaltende Ohrgeräusche. Das zeigt eine große Langzeitstudie zur regelmäßigen Einnahme verbreiteter Schmerzmittel.
Ich sage Ihnen heute, welche Wirkstoffe besonders auffielen, warum niedrig dosiertes ASS eine wichtige Ausnahme darstellt und welche natürlichen Möglichkeiten bei chronischen Schmerzen in Studien untersucht wurden.
Ab vier Einnahmetagen stieg das Risiko
Die Forscher begleiteten 69.455 Frauen über mehr als 20 Jahre. Zu Beginn litt keine Teilnehmerin unter Tinnitus. Im Verlauf berichteten 10.452 Frauen über neu aufgetretene, anhaltende Ohrgeräusche an mehreren Tagen pro Woche.
Als die Forscher die Einnahmegewohnheiten auswerteten, zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang: Je regelmäßiger bestimmte Schmerzmittel eingenommen wurden, desto höher lag das Tinnitus-Risiko:
· Bei entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen lag das Tinnitus-Risiko bei einer Einnahme an vier bis fünf Tagen pro Woche um bis zu 17 Prozent höher.
· Paracetamol an sechs bis sieben Tagen pro Woche ging mit einem Anstieg um 18 Prozent einher.
· Verschreibungspflichtige COX-2-Hemmer ab zwei Einnahmetagen pro Woche standen mit einem rund 21 Prozent höheren Risiko in Verbindung.
Als mögliche Erklärungen diskutieren die Forscher Veränderungen der Durchblutung im Innenohr, oxidativen Stress und Einflüsse auf die Reizverarbeitung der Hörbahn.
ASS 100 ist nicht mit einer Schmerztablette gleichzusetzen
Besonders wichtig für viele meiner Leser: Niedrig dosierte Acetylsalicylsäure bis 100 Milligramm täglich – etwa ASS 100 zum Schutz vor Herzinfarkt oder Schlaganfall – erhöhte das Tinnitus-Risiko in dieser Studie nicht.
Anders sah es bei schmerzlindernden Dosierungen ab 325 Milligramm aus. Eine Einnahme an sechs bis sieben Tagen pro Woche ging bei Frauen unter 60 Jahren mit einem 16 Prozent höheren Risiko einher. Setzen Sie ärztlich verordnetes ASS 100 deshalb niemals eigenmächtig ab.
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Mein Fazit für Sie
Eine einzelne Schmerztablette löst nicht automatisch Tinnitus aus. Kritisch wird die regelmäßige Einnahme über viele Wochen und Monate. Zählen Sie deshalb nicht nur die Tabletten, sondern vor allem die Einnahmetage. Prüfen Sie die Ursache Ihrer Schmerzen, nutzen Sie gezielte natürliche Maßnahmen und lassen Sie neu auftretende Ohrgeräusche frühzeitig untersuchen. So schützen Sie nicht nur Magen, Nieren und Kreislauf, sondern auch Ihr Gehör.

